Geschichte

Die Gründung der Felix-Nussbaum-Gesellschaft im März 1987 verfolgte das konkrete Ziel, die Nussbaum-Villa in der Schloßstraße 11 als Ausstellungsort für die Sammlung Felix Nussbaum in Osnabrück zu sichern. Das 1922/23 errichtete Wohnhaus der Familie Nussbaum ist nicht nur Zeuge des kulturellen und sozialen Selbstverständnisses der Familie des Künstlers. Die Villa war – und ist bis heute – neben dem Haus in der Herderstraße 22 ein wichtiges Baudenkmal für die im Nationalsozialismus vernichtete bürgerliche jüdische Wohn- und Lebenskultur in Osnabrück.

 

Vorgeschichte

Ende der 1980er Jahre war Felix Nussbaum kein Unbekannter mehr. Die seit den 1970er Jahren erfolgreich vorangetriebene Forschung zu Leben und Werk des Malers sowie große Ausstellungen im In- und Ausland hatten die künstlerische und historische Bedeutung seines Werkes eindrücklich belegt. Hinzu kam das allgemeine Interesse am Schicksal der ermordeten Osnabrücker Juden und die Verstrickungen der Stadt in die Verbrechen des Nationalsozialismus, die ab Mitte der 1980er Jahre auch in Osnabrück umfangreich erforscht wurden. Beides machte die Nussbaum-Villa zu einem steinernen Zeugen der NS-Zeit von besonderer kunst- und kulturgeschichtlicher Bedeutung. 

 

Gründungsanlass

Der Antrag zum Erwerb der Nussbaum-Villa durch die Stadt wurde damals von der Ratsmehrheit abgelehnt. Die Begründung war, dass der Ankauf zu teuer sei. Diese Entscheidung stieß bei vielen Bürger*innen Osnabrücks auf Unverständnis. Dem Rat wurde vorgeworfen, die Bedeutung des kulturpolitisch wichtigen Vorhabens zu verkennen. Die Initiatoren der Gesellschaft nahmen sich schließlich der Aufgabe an, parteiübergreifend bürgerliche Verantwortung zu übernehmen. Mit der Gründung der Felix-Nussbaum-Gesellschaft wurde das Ziel verfolgt, die Stadt – unabhängig von Ratsmehrheiten – zum Erwerb der Villa zu drängen.

»Zu verkaufen« – Villa des Eisenwarenhändlers Philipp Nussbaum, Schoßstraße 11, Osnabrück, 1922 erbaut, Foto Ende der 1980er Jahre

 

 

Ziel

Als Ziel der Gesellschaft nannte die Satzung »das künstlerische, historische und gegenwärtige Vermächtnis Felix Nussbaums lebendig zu halten.« Erreicht werden sollte dieses Ziel mit dem Erwerb der Nussbaum-Villa durch die Stadt Osnabrück. Die Satzung bestimmte weiter, in dem Haus das bis dahin von der Stadt erworbene künstlerische Werk Nussbaums auszustellen und obendrein hier eine überregionale und internationale Begegnungsstätte einzurichten.

Scheitern

Die Gesellschaft hat ihre Absicht, mit dem Erwerb der Villa durch die Stadt dem Nussbaum-Projekt einen historisch legitimierten Standort zu verschaffen, nicht erreicht. Das Haus war wegen seiner renommierten Lage, seines repräsentativen architektonischen Äußeren und auch wegen seiner kulturpolitischen Bedeutung bald zum Spekulationsobjekt geworden. Schließlich wurde es zu einem weit überteuerten Preis feilgeboten. Dennoch erarbeitete die Gesellschaft noch ein Nutzungskonzept für das Haus und machte Vorschläge, die Kosten durch Eigenarbeit der Mitglieder zu senken. 

Villa Schoßstraße 11, Osnabrück, Foto: © MrsMyer / wikipedia

Wandel

Es fiel der Gesellschaft schwer, auf ihre an die Villa gebundenen Pläne zu verzichten. Sie musste sich wandeln und tat es. Schließlich hatten sich seit Beginn der 1990er Jahre auch die Rahmenbedingungen entscheidend verändert. Die Nussbaum-Sammlung der Stadt Osnabrück war inzwischen angewachsen. Das Kulturgeschichtliche Museum und die Gesellschaft erkannten, dass Nussbaums Werk im Elternhaus des Künstlers weder hinreichend präsentiert, noch seine Bedeutung im Kontext der Kunst des 20. Jahrhunderts in der auf Wohnbedürfnisse zugeschnittenen Villa verständlich gemacht werden konnte.

 

Freundeskreis des Felix-Nussbaum-Haus Osnabrück

Die Gesellschaft unterstützte die im Jahr 1990 noch vagen Pläne der Stadt, für die Sammlung einen neuen Museumsanbau zu errichten, von Beginn an. Ebenso nachdrücklich setzte sie sich für die bald getroffene Entscheidung ein, mit dem »Felix-Nussbaum-Haus Osnabrück« einen Erweiterungsbau des Kulturgeschichtlichen Museums zu realisieren. Die Gesellschaft stellte sich den daraus erwachsenden Ansprüchen: Sie konzentriert sich auf die weitere Erforschung des Nussbaum-Werkes und die Bekanntmachung der Osnabrücker Sammlung in der breiten Öffentlichkeit. Seit der Eröffnung des »Felix-Nussbaum-Haus Osnabrück« 1998 arbeitet die Gesellschaft als Partner und Freundeskreis in enger und konstruktiver Zusammenarbeit mit Museum zusammen – dafür stehen unter anderem gemeinsame Veranstaltungen, die Herausgabe der »FN – Nachrichten der Felix-Nussbaum-Gesellschaft« und die 2019 realisierte Wanderausstellung »Unterwegs mit Felix Nussbaum«.

Kopfbild: »Zu verkaufen« – Villa des Eisenwarenhändlers Philipp Nussbaum, Schoßstraße 11, Osnabrück, 1922 erbaut, Foto Ende der 1980er Jahre