Felix Nussbaum – Werk und Leben

Felix Nussbaum wird am 11. Dezember 1904 in Osnabrück als zweites Kind der Eheleute Philipp und Rahel Nussbaum geboren. Er wächst in der Geborgenheit einer gutbürgerlichen jüdischen Kaufmannsfamilie auf. Kunst und Musik gehören zum Habitus der lebensfrohen Familie, die nicht streng nach den religiösen Gesetzen lebt. Vor allem der Vater fördert die künstlerischen Interessen seines jüngsten Sohnes.

1924 beginnt Felix Nussbaum ein Studium der Malerei in der Kunstmetropole Berlin und startet eine beeindruckende Karriere als Künstler der jungen Generation. Auf dem Höhepunkt seines künstlerischen Erfolgs Anfang der 1930er Jahre gerät er als deutscher Jude in das Visier der Nationalsozialisten. Es folgen Jahre des Exils und der Verfolgung in Italien und Belgien. Schließlich taucht er in einem Versteck in Brüssel unter, wo er am 20. Juni 1944 entdeckt und wenig später in Auschwitz ermordet wird.

Das Werk Felix Nussbaums ermöglicht einen sehr persönlichen Einblick in die Situation der ins Exil getriebenen deutschen Juden und zeigt seinen Rang als bedeutender Künstler der Moderne. Wie kein anderer Künstler seiner Generation hat der Maler diese Zeit in seinen Bildern künstlerisch reflektiert und dokumentiert: In seinem Oeuvre spiegeln sich die Erfahrungen von Exil, Flucht und Vertreibung, Gefangenschaft und Isolation im Versteck wider. Kein Betroffener hat das Leid der Vernichtung der Juden in Europa durch die nationalsozialistische Gewaltherrschaft so künstlerisch dokumentiert wie Felix Nussbaum.

Für Felix Nussbaum, der sich in der Blüte seines schöpferischen Lebens auf sein eigenes Überleben konzentrieren musste, wurde das Malen im Versteck zu einem Akt des Widerstands. In der Tradition der Neuen Sachlichkeit entwickelte er eine symbolische Bildsprache, mit der es ihm gelang, Bilder von zeitloser Gültigkeit zu schaffen. Als Gefangener in der brutalen Wirklichkeit der Nazi-Verfolgung wird die Kunst für ihn zu einem Vehikel, Bilder des Menschseins in unmenschlichen Zeiten zu schaffen.

Kopfbild: WV 438, Felix Nussbaum, Selbstbildnis an der Staffelei [Ausschnitt], 1943, Öl auf Leinwand, 75 x 55 cm, Felix-Nussbaum-Haus Osnabrück, Leihgabe der Niedersächsischen Sparkassenstiftung

Das Felix-Nussbaum-Haus Osnabrück

 

Das »Felix-Nussbaum-Haus Osnabrück« besitzt die weltweit größte Sammlung des deutsch-jüdischen Malers Felix Nussbaum, der 1904 in Osnabrück geboren und 1944 in Auschwitz ermordet wurde.

Die Entstehung der Sammlung ist dem Engagement der Cousine Felix Nussbaums, Auguste Moses-Nussbaum und ihrem Mann Heinz Moses, zu verdanken. Sie setzten sich in den 1960er Jahren dafür ein, dass der über 100 Bilder umfassende Nachlass in Brüssel ermittelt wurde und nach Osnabrück in die Geburtsstadt des Künstlers kam. Dank der intensiven Bemühungen der Stadt Osnabrück und anderer Förderer erreichte die Sammlung in den folgenden Jahrzehnten mehr als 200 Exponate.

Das Museum widmet sich der Aufgabe, das Vermächtnis des Malers zu bewahren und auszustellen – gemäß dem Wunsch Felix Nussbaums

»Wenn ich untergehe, lasst meine Bilder nicht sterben. Zeigt sie den Menschen.«

1998 hat der Architekt Daniel Libeskind mit dem Museum »Räume gegen das Vergessen« geschaffen. Das architektonische Konzept reagiert sensibel auf die Erfahrung von Verunsicherung und Orientierungslosigkeit im Exil, die sich in den Bildern Felix Nussbaums auf eindrückliche Weise niederschlagen. Mit einem System von Bezugslinien – zwischen Osnabrück, Berlin, Brüssel und Auschwitz – wird die ständige Bewegung und zunehmende Orientierungslosigkeit im Leben Felix Nussbaums widergespiegelt. Schräge Winkel, irritierende Fensterformationen und abfallende oder aufsteigende Fußböden schaffen ungewohnte Raumeindrücke, die unmittelbar mit Leben und Werk des Malers korrespondieren.

»Das Felix-Nussbaum-Haus ist nicht nur Testament eines unbeschreiblichen Schicksals, in ihm entsteht ein bedeutsamer Ort für die Begegnung von Zukunft und Vergangenheit.«
Daniel Libeskind

Durch die einzigartige Symbiose von Architektur und Malerei wird der Besuch des Hauses zu einem besonderen Erlebnis und zieht Besucher aus aller Welt an. In den letzten Jahren erfuhr das Werk des Künstlers in bedeutenden Ausstellungen in Paris (2011), New York (2013) und Brüssel (2017) große internationale Anerkennung und Würdigung.

 

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