Projekte   >   Stadtführung: Jüdisches Leben

Auf den Spuren jüdischer Geschichte

Osnabrücker Stadtrundgänge

,,Die Orte gibt es noch, die Menschen nicht mehr

Wir laden Sie ein, die Geschichte und Geschichten jüdischen Lebens in Osnabrück kennenzulernen. In thematisch geführten Stadtrundgängen vermitteln wir Ihnen an historischen Orten ausgewählte Biografien und Schicksale jüdischer Mitbürgerinnen und Mitbürger, die in den Jahren der Weimarer Republik in Osnabrück lebten und als Teil der Stadtgesellschaft das kulturelle Leben in der Stadt mitgestalteten. Daneben wird die Alltagsrealität der schrittweisen Diffamierung und Ausgrenzung ab 1933 bis hin zur Verfolgung und Deportation anhand der vorgestellten Einzelschicksale verdeutlicht.

Die Rundgänge führen an Wohnorte, Geschäfte und Orte der Verfolgung und vermitteln einen persönlichen und lokalen Zugang zur kulturellen, sozialen und politischen Geschichte Osnabrücks: von der Integration der jüdischen Gemeinde in die Stadtkultur bis zu ihrer Vernichtung in der Zeit des Nationalsozialismus.

Das Angebot will anhand der Kenntnis der Geschichte zur Auseinandersetzung mit aktuellen politischen Themen anregen.

Alle Stadtrundgänge sind kostenlos, dauern ca. 1,5 Stunden und finden Sonntag vormittags statt. Zusätzlich gibt es geführte Radtouren (bitte eigene Räder mitbringen) von ca. 2,5 Stunden.
Anmeldung unter sellmeyer@fng-os.de 

Das Angebot ist kostenlos. Wir freuen uns aber über Spenden.

Ein PDF mit allen Veranstaltungen finden Sie hier.

Wir gehen in die Corona-Pause!

Aufgrund der momentanen Situation, werden die nachfolgenden Führungen bis auf Weiteres ausgesetzt. Ausgefallene Führungen werden zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt. Wir halten Sie auf dem Laufenden und informieren Sie, sobald es wieder losgeht.

Die angekündigten Führungen, die derzeit leider nicht stattfinden können, werden nachgeholt. Die Termine dafür werden wir hier bekannt geben. Bereits eingegangene Anmeldungen werden berücksichtigt.

 

Termine

2020:     » März     » April     » Mai     » Juni     » Juli     » September     » Oktober     » November

2021:     » Januar

Felix Nussbaum, Die beiden Juden (Das Innere der Synagoge von Osnabrück), 1926, Öl auf Leinwand, 115 x 99 cm, Felix-Nussbaum-Haus Osnabrück, Leihgabe der Niedersächsischen Sparkassenstiftung
© Medienzentrum Osnabrück, Foto: C. Grovermann

Sonntag, 15. März 2020, 11 Uhr

Rabbiner, Ritualbeamter, Kantor
Wer leitete und wo betete die jüdische Gemeinde?

Bei den einen gehörte die Teilnahme am Gottesdienst lediglich zum guten Ton, bei anderen wurde streng koscher gekocht, aber alle bewegten sich »im Fahrwasser des überlieferten Judentums«. Die jüdische Gemeinde in Osnabrück hatte nur kurze Zeit einen eigenen Rabbiner und musste sich während der längsten Zeit ihrer Existenz mit viel zu engen Bet-Räumen behelfen. Ihre sichtbare Präsenz war in der Stadt nicht erwünscht. Nur 33 Jahre lang konnte sich die Gemeinde in einer eigenen würdevollen Synagoge versammeln. Gemeindevorsteher, Religionslehrer und Kantor bestimmten das religiöse Leben und seine Ausrichtung.

Führung: Martina Sellmeyer
Dauer: ca. 1,5 Stunden (zu Fuß)
Treffpunkt: Haupteingang der Katharinenkirche 

Anmeldung unter sellmeyer@fng-os.de

Sonntag, 5. April 2020, 11 Uhr

»Deutsch, deutsch und nochmal deutsch«
Patrioten mit jüdischer Religion

Ihr Judentum war für die Osnabrücker Gemeindemitglieder eine religiöse, sicher auch eine kulturelle Angelegenheit. Ihre Nationalität aber war deutsch, und dem Land, in dem sie seit vielen Generationen lebten, galt ihre volle Loyalität. Fotos aus Familienalben zeigen Soldaten in feldgrauer Uniform – fast alle Männer der jüdischen Gemeinde hatten im Ersten Weltkrieg ihr Leben für ihr Heimatland riskiert. Aber auch die Frauen an der »Heimatfront« engagierten sich für das Vaterland.

Führung: Martina Sellmeyer
Dauer: ca. 1,5 Stunden (zu Fuß)
Treffpunkt: Volkshochschule Osnabrück, Eingang

Anmeldung unter sellmeyer@fng-os.de

Siegfried Flatauer auf Heimaturlaub im Ersten Weltkrieg, mit Tochter Ingeburg
Foto: © Familienalbum Guy Ben Hamou

Gretel Falk und Paul Levy in einem Kibbuz in Palästina
Foto: © Archiv Martina Sellmeyer

Sonntag, 24. Mai 2020, 11 Uhr

»Palästina – wo ist das?«
Chawerim in der Stadt

Kaum ein Mitglied der jüdischen Gemeinde hatte ernsthaft daran gedacht, nach Palästina auszuwandern – selbst wenn es die Idee des Zionismus unterstützte. Erst unter dem Druck der Verfolgung wählten vor allem junge Menschen in Osnabrück den Weg nach Palästina. Die Alijah (Straße der Rettung) führte sie vom Klassenzimmer zunächst in den Kuhstall, denn eine landwirtschaftliche Ausbildung war Voraussetzung, um ein Zertifikat für die Einwanderung zu erhalten.

Führung: Martina Sellmeyer
Dauer: ca. 1,5 Stunden (zu Fuß)
Im Anschluss ist ein Ausflug zu einem ehemaligen »Kibbuz« in der Umgebung von Osnabrück geplant (ca. 10 km, mit privaten PKW)
Treffpunkt: Bereichsbibliothek Rechts- und Wirtschaftswissenschaften der Universität Osnabrück, Heger-Tor-Wall 14

Anmeldung unter sellmeyer@fng-os.de

Sonntag, 21. Juni 2020, 11 Uhr

»Eine glückliche Jugend«
Auf den Spuren Felix Nussbaums

Felix Nussbaums Jugend, die der Maler selbst als »glückliche« Zeit bezeichnete, war geprägt vom bürgerlichen Lebensstil der Familie und von der lebensfrohen Persönlichkeit des Vaters. Beide teilten nicht nur die Verbundenheit zur Heimat Osnabrück, sondern auch die Liebe zur Kunst. Mehrfach finden Osnabrücker Motive Eingang in Nussbaums Bilderwelt, zuletzt noch einmal 1941, als die Familie längst ins Exil getrieben war, mit den Türmen der Johanniskirche in dem Bild »Zwei Frauen«.

Führung: Anne Sibylle Schwetter
Dauer: ca. 1,5 Stunden (zu Fuß)
Treffpunkt: Museumsquartier Osnabrück, Eingang

Anmeldung unter sellmeyer@fng-os.de

Familie Nussbaum, 1915
Foto: © Museumsquartier Osnabrück

Geflügelmastanstalt Cantor, Eversburg
Foto: © Archiv Martina Sellmeyer

Sonntag, 5. Juli 2020, 11 Uhr

»Letzte Warnung. Wir schlagen zu.«
Eversburg in der NS-Zeit – eine Radtour

Menschen mit jüdischer Religion befanden sich spätestens seit der Machtübergabe an die Nationalsozialisten 1933 in ständiger Lebensgefahr. »Juden separat!« hieß es gleich bei der Ankunft von jugoslawischen Offizieren am Eversburger Bahnhof. Im Kriegsgefangenenlager OFLAG VI C überlebte die größte jüdische Gemeinschaft im deutschen Reich den Holocaust. In Eversburg gab es auch einen jüdischen Unternehmer, der hier eines der führenden Unternehmen der Feinkostbranche in Norddeutschland betrieb. Er wurde von NS-Organisationen massiv bedroht und schließlich enteignet.

Führung: Martina Sellmeyer und Dieter Przygode
Dauer: ca, 2,5 Stunden (Radtour)
Treffpunkt: Kunstquartier Hasestraße 29/30

Anmeldung unter sellmeyer@fng-os.de

Sonntag, 27. September 2020, 11 Uhr

Einkaufsbummel in »Neu Jerusalem«?
Welche Rolle spielten jüdische Kaufleute bei der rasanten Entwicklung der Großen Straße seit Anfang des 19. Jahrhunderts?

Früh entstanden in Osnabrück moderne Kaufhäuser mit Schaufassaden und prunkvoller Architektur, die auch beim Vertrieb und Verkauf durch Einkaufsgenossenschaften neue Wege gingen. Die Kaufhäuser jüdischer Inhaber trugen einen nicht unerheblichen Anteil zum wirtschaftlichen Erfolg der Stadt bei. Dennoch wurde die Große Straße bereits seit dem 19. Jahrhundert zum Ziel agitatorischer Angriffe auf die jüdischen Geschäftsleute der Stadt. Immer wieder versuchten die Interessenvertretungen der Einzelhändler, sie mit unfairen Methoden aus dem Wettbewerb zu drängen – bis dies den Nationalsozialisten tatsächlich gelang. Die Nachricht über den Erfolg der Osnabrücker »Parteiaktion zur Überführung jüdischer Geschäfte in arische Hände« fand ihren Weg bis in die Londoner Presse.

Führung: Martina Sellmeyer und Rolf Spilker
Dauer: ca. 1,5 Stunden (zu Fuß)
Treffpunkt: Landgericht am Neumarkt

Anmeldung unter sellmeyer@fng-os.de

Osnabrücker Tageblatt, 1906
Foto: © NLA OS

Die Geschwister Falk auf dem Tennisplatz am Uhlenfluchtweg
Foto: © Archiv Martina Sellmeyer

Sonntag, 18. Oktober 2020, 11 Uhr

»Ich habe oft bei den Nachbarn Mazzes gegessen.«
Auf den Spuren der NS-Zeit im Katharinenviertel

Das Katharienviertel spielte eine zentrale Rolle in der Geschichte der jüdischen Gemeinde. Hier befand sich mit der Synagoge der religiöse Mittelpunkt der Osnabrückerinnen und Osnabrücker mit jüdischer Religion, hier verbrachten die jüdischen Kinder ihre ersten vier Schuljahre in der Israelitischen Elementarschule. Im Zentrum des Viertels lag der Tennisplatz, den die jüdischen Familien nach dem frühen Ausschluss aus dem Osnabrücker Turnverein in den 1920er-Jahren betrieben. Außer der Parteizentrale im »Hitlerhaus« waren auch Hitlerjugend, Gestapo und SA im Viertel präsent.

Führung: Martina Sellmeyer und Kalla Wefel
Dauer: ca. 1,5 Stunden (zu Fuß)
Treffpunkt: Museumsquartier Osnabrück, Villa Schlikker

Anmeldung unter sellmeyer@fng-os.de

Fällt coronabedingt leider aus!

Sonntag, 8. November 2020, 11 Uhr

und

Sonntag, 15. November 2020, 11 Uhr

Im Schlafanzug durch die Stadt getrieben
Eine Radtour zu den Orten der Pogromnacht

In der Nacht des 9. November 1938 wurde die Synagoge in der Rolandstraße von Osnabrücker SA-Männern in »Räuberzivil« in Brand gesetzt. Polizei und Feuerwehr sahen tatenlos zu, ein »aufgeputschter Mob« verfolgte die Opfer. Die Radtour folgt den Spuren der Opfer, Täter und Zuschauer der Pogromnacht zu den Orten, an denen die Menschen mitten in der Nacht aus ihren Häusern geprügelt und ihre Geschäfte geplündert wurden. Zwei Tage später wurden die jüdischen Männer vor aller Augen in Konzentrationslager abtransportiert.

Führung: Martina Sellmeyer
Dauer: 2,5 Stunden (Radtour)
Treffpunkt: Rathaustreppe

Die zerstörte Synagoge
Foto: © Nachlass Karl Ordelheide, NLA OS, Erw A 45, Akz. 2009/15 Nr. 103

Siegfried Flatauer auf Heimaturlaub im Ersten Weltkrieg, mit Tochter Ingeburg
Foto: © Familienalbum Guy Ben Hamou

Nachholtermin vom 05. April 2020

Sonntag, 17. Januar 2021, 11 Uhr

»Deutsch, deutsch und nochmal deutsch«
Patrioten mit jüdischer Religion

In der Nacht des 9. November 1938 wurde die Synagoge in der Rolandstraße von Osnabrücker SA-Männern in »Räuberzivil« in Brand gesetzt. Polizei und Feuerwehr sahen tatenlos zu, ein »aufgeputschter Mob« verfolgte die Opfer. Die Radtour folgt den Spuren der Opfer, Täter und Zuschauer der Pogromnacht zu den Orten, an denen die Menschen mitten in der Nacht aus ihren Häusern geprügelt und ihre Geschäfte geplündert wurden. Zwei Tage später wurden die jüdischen Männer vor aller Augen in Konzentrationslager abtransportiert.

Bitte melden Sie sich zu den Führungen aufgrund der wegen der Corona-Pandemie begrenzten Teilnehmerzahlen unbedingt per email an und geben Sie eine Telefonnummer für die Nachverfolgung von Kontakten an. Bei der Führung müssen eine Mund-Nasen-Bedeckung getragen und die Abstands-Vorschriften eingehalten werden.

Führung: Martina Sellmeyer
Dauer: 2,5 Stunden (zu Fuß)
Treffpunkt: Rathaustreppe

Anmeldung unter sellmeyer@fng-os.de

Führungen

Martina Sellmeyer
Autorin der Dokumentation Stationen auf dem Weg nach Auschwitz. Entrechtung, Vertreibung, Vernichtung. Juden in Osnabrück 1900–1945.

Anne Sibylle Schwetter
Kuratorin Sammlung Felix Nussbaum im Museumsquartier Osnabrück

Dieter Przygode
Autor des Buches Von Bramsche nach Buenos Aires. Auf den Spuren der jüdischen Familie Voss.

Rolf Spilker
langjähriger Direktor und Geschäftsführer des Museums Industriekultur Osnabrück

Kalla Wefel
Autor, Kabarettist und Veranstalter der Osnabrücker Heimatabende

 

Hinweise zu den Stadtrundgängen

Das Angebot ist kostenfrei. Die Führungen sind auf 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer begrenzt.
Anmeldung unter sellmeyer@fng-os.de

Gefördert durch die Stadt Osnabrück, die Herrenteichslaischaft Osnabrück und die Jüdische Gemeinde Osnabrück.

Aus dem Familienalbum von Sophie und Siegfried Flatauer, Herderstraße
Foto: © Guy Ben Hamou

Abraham Trepp mit  seinen Söhnen Leo und Martin
Foto: © Archiv Martina Sellmeyer

Kopfbild: Stadtführung, Foto: © Dieter Przygode